Naturbaustoffe aus Lehm, Kalk, Schafwolle, Holz, Stroh, Schilf, Hanf, Flachs, Bambus und Wiesengras lassen sich gut in die modernen Bauprozesse einbinden; sie sind preisgünstig, verfügbar und haben exzellente technische Eigenschaften. Diese Naturbaustoffe können es mittlerweile auch mit Beton, Stahl und mineralischen Dämmstoffen aufnehmen – alles Stoffe, die in der Herstellung sehr viel Energie verbrauchen und viele Emissionen verursachen. Die Abhängigkeit der Wirtschaft vom Erdöl kann verringert werden und die Grundversorgung der Bevölkerung ist weniger auf Importe angewiesen. Wenn die Rohstoffe für unsere moderne Güterwirtschaft zunehmend auf dem Feld oder im Wald wachsen, eröffnen sich für die Forst- und Landwirte sehr interessante Märkte und Einnahmequellen. Mit dieser Strategie stärkt eine Region ihre Autonomie und schafft dabei realen Wohlstand und langfristige Arbeitsplätze für ihre Einwohner. Dieses Konzept ermöglicht nicht nur eine Wirtschaft mit weniger giftigen Emissionen, das Anbauen von nachwachsenden Ressourcen erhöht auch die Biodiversität und hilft bei der Reinigung von Luft, Wasser und Erde.
“Die Schweiz bezieht den grössten Teil ihrer Rohstoffe und Energieträger aus dem Ausland (rund 85%). Sie bleibt in diesen Bereichen von internationalen Entwicklungen stark abhängig.” Quelle: Strategischer Nachrichtendienst (SND)
Die Naturkrise in ihren vielfältigen Formen – Krankheiten und Seuchen, Klimakatastrophe, Arten– und Landschaftssterben – erfährt derzeit, nach Jahrzehnten der Ausweitung, durch die Wirtschaftskrise eine leichte Verschnaufpause. Diese Verschnaufpause könnte wie zB. durch das „Green New Deal“ Programm in den USA oder die ökologische Konjunkturprogramm in China, Südkorea zu einer ökologischen Wende werden. Die Frage ist hier: welche ökologischen Konjunkturmassnahmen führt die Schweizer Regierung durch?
Rund 50 Prozent der derzeitigen Luftverschmutzung und des momentanen Energieverbrauchs in Westeuropa werden verursacht durch den bestehenden Gebäudebestand und die Art und Weise unseres Bauens! Dies ist der Hauptverursacher der Emissionen, vor der Fleischproduktion an zweiter und Transport/Mobilität an dritter Stelle.
Im energietechnischen Sanieren und energieeffizienteren Bauen liegt die Lösung, und da besteht dringendster Handlungsbedarf. Hier bietet sich eine einmalige Gelegenheit, ambitioniert einzusteigen und die Zukunft neu zu gestalten. Technologisch gesehen könnten heute Häuser und Quartiere regenerative Energieproduzenten in dezentralen Netzen sein. Zur Zeit sind die allermeisten fossile Energiefresser. Technologisch kann ein Grossteil der mit hohem Energieaufwand hergestellten und meist importierten Baustoffe wie Beton, Stahl, Aluminium u.a. durch Naturbaustoffe ersetzt werden. Diese nachwachsenden Materialien werden regional in der Landwirtschaft hergestellt, benötigen weniger Energie bei ihrer Herstellung und sind problemlos im Kreislaufwirtschaftssystem als gebrauchte Materialien weiterverwendbar. Diese heute mögliche technologische Wende im Sanieren und Bauen ergäbe nicht nur eine positive Energie– und Umweltbilanz, sondern würde innovative Geschäftsfelder eröffnen und der Landwirtschaft insbesondere im Alpenraum zusätzliches Einkommen bescheren. Vor allem aber würde eine solche Wende mehr Gesundheit und Wohlgefühl in unseren Bauten schaffen und könnte durch die neue dezentrale Vernetzung und das rückgekoppelte Verantwortungsgefühl Gemeinsinn und Gemeinwohl stärken. (T. Wald)






